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30 Jahre Rumpelfilzchen: Wie alles begann

Meine Mutter hat viel genäht, als ich klein war. Überall lagen Stoffreste – kleine Stücke, zu schade zum Wegwerfen. Ich habe sie gesammelt, sortiert, gehütet. Und immer wieder dieser Satz, der mir bis heute im Ohr ist: „Das kann ich gebrauchen – damit bastel ich mir noch was.“

Es blieb nicht nur beim Stoff. Irgendwann kam Wolle dazu. Stricken, Häkeln – Masche für Masche. Pullover für mein Monchichi. Und auch für mich. Vielleicht hat genau dort alles angefangen. Mit Stoffresten, Fantasie und dem Gefühl, dass aus kleinen Dingen etwas Eigenes entstehen kann.


Anfang der 90er Jahre bin ich mit meiner Tante zu einem Workshop gegangen, um Weben am Webstuhl zu lernen. Ich habe mir einen Webstuhl gekauft. Und dann habe ich gewebt. Viel. Teppiche. Stoffe, aus denen Jacken wurden. Zum ersten Mal entstand etwas, das nicht nur schön war, sondern tragbar.


Weil meine Tante ihre Kinder auf der Waldorfschule hatte, wurde dort auch gefilzt. Sie zeigte mir, was man aus Filz machen kann. Über die Jahre entstanden immer mehr kleine Wesen, Figuren, Formen. Sie lagen auf Tischen, Fensterbänken, Regalen. Damals habe ich Trikotstoff für Gesichter und Hände, gekaufte Filzplatten für Kleidung und Blumen, selbstgefilzte Bettchen für die Figuren genutzt. Es gab ein Buch, das das alles erklärte: Blumenkinder für den Jahreszeitentisch von Sibylle Adolphi, eine Freundin meiner Tante. Ich habe die Blumenkinder daraus nachgearbeitet. Und irgendwann angefangen, neue Blumenkinder dazuzuerfinden.

Vielleicht, weil mich Pflanzen schon immer begleitet haben. Ich habe in der Landwirtschaft gelernt, mit dem Schwerpunkt Pflanzenschutz. Auf dem Acker herumzurutschen, neue Pflanzen zu entdecken, kleine Blümchen am Rand zu finden – das mochte ich schon immer. Und irgendwann wurden daraus Blumenkinder aus Filz. Gefunden in der Natur, weitergedacht mit den Händen.



1996 – der Wendepunkt


Und plötzlich waren da so viele Blumenkinder. In allen Größen. In allen Formen. Sie standen überall. Und dann kam meine Mutter ins Zimmer, sah sich um und sagte: „Oh – wie viel willst du denn noch machen? Willst du nicht mal auf einen Markt und die verkaufen?“

Es war kein großer Plan. Eher ein Satz nebenbei. Aber manchmal reicht genau das, damit etwas anfängt. Im November 1996 hatte ich mich für den Kunst- und Kreativmarkt in Worblingen angemeldet. Zwischen Socken und Gestecken. Und dann passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Es war ein Riesenerfolg. Am Schluss war ich fast ausverkauft. Die Leute waren fasziniert. Sie haben mir die Figuren förmlich aus den Händen gerissen. Solche Blumenkinder hatte es in unserer Region noch nicht gegeben. Damals waren es noch die genähten Blumenkinder. Aber der Anfang war gemacht.



Wie der Name und das Logo entstanden


Der Name Rumpelfilzchen ist nicht zufällig entstanden. Die Pflanzenwelt und die Märchenwelt

haben mich schon immer fasziniert. Und sie waren von Anfang an in meinen Figuren und meiner Arbeit präsent. Also lag es nahe, auch nach einem Namen zu suchen, der aus dieser Welt kommt. Es gab viele Ideen. Fliegenfilz und andere Spielereien. Und irgendwann kam mein Exmann auf einen Gedanken, der einfach gepasst hat: Rumpelstilzchen. Ein Märchen, das sich wunderbar in Filz weiterdenken lässt. Aus Rumpelstilzchen wurde Rumpelfilzchen. Mit dem Namen konnte ich mich sofort identifizieren. Ich mache Märchenwesen und Pflanzenfiguren. Rumpelstilzchen ist eine Märchenfigur. Ein kleines Wesen. Ein Waldschratt. Eines, das Stroh zu Gold spinnt. Mit einem Spinnrad. Und Spinnen heißt: Wolle. Fäden. Verwandlung. Genau darum geht es auch bei mir. Aus etwas Einfachem entsteht etwas Wertvolles. Nicht durch Zauber. Sondern durch Hände.


Das Logo von Rumpelfilzchen entstand auf einer Reise nach Schweden. Dort gibt es sie überall:

Trolle. Gnome. Waldwesen. Besonders inspiriert hat mich der schwedische Künstler John Bauer. Seine Waldwesen bestehen fast nur aus Fell und Haar. Große Nasen. Kaum Gesicht. Man erkennt nicht viel – und gerade deshalb erkennt man alles. Genau so ist ein Rumpelfilzchen. Kein klares Gesicht. Nur ein zotteliges Fellwesen. Man sieht nicht, was es denkt. Man weiß nur: Es hört gut. Und es riecht gut. Große Nase. Spitzohrig. Mehr braucht es nicht.



Damals und heute


Dieser erste Markt hatte mich unglaublich motiviert. So sehr, dass ich gemerkt habe: Ich möchte meine eigene Linie ziehen. Ich wollte nicht mehr aus Büchern nachmachen. Sondern verstehen, ausprobieren, entwickeln. Und so habe ich angefangen, meine eigenen Filzfiguren zu entwerfen. Komplett aus Filz. Selbst entwickelt. Schritt für Schritt wurde daraus das, was heute noch da ist.

Und wenn das Rumpelfilzchen nicht gestorben ist, dann filzt es heute noch.

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