30 Jahre Jubiläum: Woher meine Inspirationen kommen
- rumpelfilzchen
- vor 14 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Immer wieder werde ich gefragt: "Woher kommen eigentlich all deine Ideen?" Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach. Denn die Figuren entstehen selten plötzlich. Wenn ich heute auf meine Figuren schaue, merke ich, dass ihre Wurzeln fast immer dieselben sind: Natur, Tiere, Märchen und Geschichten, die Jahreszeiten und natürlich meine Fantasie.
Die Natur als erste Lehrerin
Meine Begeisterung für Pflanzen begann schon lange, bevor ich Filz für mich entdeckte. Nach der Schule machte ich eine Ausbildung zur landwirtschaftlich-technischen Assistentin im Bereich Pflanzenschutz. Besonders gern erinnere ich mich an die Zeit auf dem Acker. Während eines Praktikums bestimmten und zählten wir Wildkräuter. Wir schauten uns Keimlinge ganz genau an, lernten ihre ersten Blätter zu unterscheiden und beschäftigten uns mit ihrem Aufbau. Damals wurde mir bewusst, wie unglaublich vielfältig die Pflanzenwelt ist. Was auf den ersten Blick wie ein kleines grünes Blatt aussieht, erzählt bei genauerem Hinsehen eine ganz eigene Geschichte. Jede Pflanze wächst anders. Jede Blüte hat ihren eigenen Aufbau. Jedes Blatt seine eigene Form. Diese Faszination hat mich nie wieder losgelassen.
Als ich später mit dem Filzen begann, kam irgendwann der Gedanke: Warum sollte man diese Schönheit nicht auch in Filz erzählen können? Warum nicht Blumenkinder erschaffen, die den Charakter einer Pflanze aufnehmen? Und nicht einfach irgendein Blütenkind, sondern eines, bei dem man die Pflanze wiedererkennt.
Seitdem streife ich mit offenen Augen durch Wälder und Gärten. Ich beobachte, schaue genau hin und lerne Namen, Blattformen und Wuchsformen kennen. Und all das, um die kleinen Besonderheiten möglichst originalgetreu in meinen Figuren wiederzufinden.
Tiere erzählen mit ihrem Blick
Mit Tieren bin ich eigentlich mein ganzes Leben aufgewachsen. Schon als Kind hatten wir Hasen, später kamen Hühner dazu. Ich mochte schon immer weiches Fell. Als Kind schlief ich sogar auf einem Schaffell. Vielleicht begann meine Liebe zur Wolle schon viel früher, als ich damals ahnte.
Heute inspirieren mich Tiere auf ganz unterschiedliche Weise. Nicht nur durch ihr Aussehen, sondern vor allem ihr Charakter haben es mir angetan. Ein Fuchs schaut anders als ein Hase.
Ein Frosch wirkt neugierig. Eine Eule aufmerksam. Ein Schaf freundlich. Gerade bei meinen Guckern liebe ich es, diese Eigenheiten einzufangen. Sie dürfen schelmisch sein, schüchtern, frech, meugierig oder einfach nur still beobachten. Viele Menschen entdecken darin genau das Tier, das sie besonders mögen.
Geschichten, die nie alt werden
Eine weitere Quelle meiner Inspiration sind Märchen und Kinderbücher. Ich liebe besonders die alten Volksmärchen. Sie werden seit Generationen weitererzählt und verlieren trotzdem nichts von ihrer Kraft. Sie sprechen von Mut, Hoffnung, Klugheit, von kleinen Tricks und großen Wundern. Sie erzählen in Bildern, die bis heute verstanden werden.
Besonders geprägt haben mich aber auch die wundervollen Illustrationen von Elsa Beskow. Ihre Blumenkinder, wie zum Beispiel in "Hänschen im Blaubeerenwald" haben mich schon früh fasziniert. Ebenso die Bücher "Etwas von den Wurzelkindern", "Das Apfelmäuschen" und natürlich "Der kleine Prinz". Diese Geschichten laden dazu ein, mit offenen Augen auf die Welt zu schauen. Und genau das versuche ich auch mit meinen Figuren.
Im Rhythmus der Jahreszeiten
Auch die Jahreszeiten begleiten meine Arbeit. Ich mag diesen natürlichen Wechsel. Im Frühling beginnt alles neu. Die ersten Triebe zeigen sich. Im Sommer wächst und blüht alles. Im Herbst zieht sich die Natur langsam zurück. Und im Winter kehrt Ruhe ein.
Ich finde, diese Zyklen geben unserem Leben einen Rhythmus. Sie erinnern uns daran, dass alles seine Zeit hat. Deshalb inspirieren mich auch unsere Feste und Bräuche. Ostern, Erntedank, Weihnachten. Nicht nur wegen der Dekoration, sondern wegen der Geschichten, die dahinterstehen und die Menschen seit Generationen miteinander verbinden.
Und manchmal kommt die Idee einfach
Manche entstehen die Ideen einfach im Kopf, ausgelöst beispielsweise durch einen Auftrag. Dann denke ich oft tagelang darüber nach. Wie könnte das aussehen? Wie lässt sich diese Idee umsetzen? Manchmal nehme ich diese Gedanken sogar mit in den Schlaf und morgens ist plötzlich alles klar. Als hätte die Lösung die ganze Nacht auf mich gewartet. Manchmal kommt sie aber auch erst während des Filzens. Dann merke ich plötzlich: "Nein … wenn ich das jetzt noch ein bisschen verändere, wird es viel schöner." Oder aus einer Figur entsteht plötzlich eine ganz neue Idee. Vielleicht reitet das kleine Wesen ja auf einem Fuchs. Oder sitzt auf einem Pilz. Oder schaut aus einer Blüte hervor. So entwickeln sich Geschichten mitten im Tun.
Mit offenen Augen durchs Leben
Ich gehe mit offenen Augen durchs Leben. Ich beobachte, sammle Eindrücke und irgendwann verbinden sie sich zu einer Figur, zu einer Geschichte. Denn Inspiration findet man nicht nur in großen Momenten. Oft liegt sie ganz unscheinbar am Wegesrand: In einem Blatt, im Blick eines Tieres, in einem alten Märchen. Oder in einem Gedanken, der einfach nicht mehr loslassen möchte.























