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30 Jahre Jubiläum: Kleine Welten aus Filz

30. Aug.
3 Min. Lesezeit

Mein Verkaufsraum ist ein Ort, an dem viele meiner Figuren ein Stück ihres Weges beginnen. Hier stehen sie zusammen, bevor sie ein neues Zuhause finden. Manche nur für kurze Zeit, andere etwas länger. Und immer wieder verändert sich der Raum mit ihnen – mit den Jahreszeiten, mit neuen Ideen und mit dem, was gerade auf meinem Filztisch entsteht.

Doch es gab Zeiten, da wurde aus diesem Verkaufsraum noch etwas anderes: ein Ausstellungsraum.


Ein Wochenende voller Erdbeeren

Irgendwann entstand die Idee, selbst Veranstaltungen bei mir zu Hause zu organisieren. Nicht einfach einen Verkaufstag, sondern eine kleine Ausstellung mit einem Thema, das sich durch alles hindurchzieht. Das erste Mal drehte sich 2005 ein ganzes langes Wochenende um die Erdbeere. Es gab Erdbeergucker, Schlüsselanhänger und Figuren. Haarspangen, Wandbilder und kleine Erdbeerfrüchtchen. Die Erdbeere war plötzlich nicht mehr nur eine Frucht, die ich als Filzfigur umsetzte. Aus einer einzigen Idee entstanden immer neue Varianten. Was könnte noch dazugehören? Wie könnte eine Erdbeerfigur aussehen? Wo könnte sich ein kleines Wesen verstecken? Eine Idee führte zur nächsten und so füllte sich der Raum Stück für Stück mit Rot, Grün und all den kleinen Dingen, die ich mit der Erdbeere verband. Für dieses Wochenende bekam der Verkaufsraum eine ganz eigene Atmosphäre. Wer hereinkam, betrat für eine Weile eine kleine Erdbeerwelt.




Vom Erdbeerfeld an den Seerosenteich

Nach der Erdbeere folgte ein anderes Thema: der Seerosenteich. Diesmal stellte ich mir nicht nur die Frage, wie ich eine bestimmte Pflanze in Filz umsetzen kann. Ich dachte an einen ganzen Lebensraum. Was lebt an einem Teich? Was wächst dort? Was bewegt sich auf dem Wasser, was darunter und was am Ufer? Da waren natürlich die Seerosen. Aber auch Fische und Frösche, Schilf und Gräser. Es entstanden Wasserfiguren, Bilder und Froschgucker. Je länger ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto größer wurde diese kleine Welt. Ich wollte nicht einfach einen Frosch neben eine Seerose setzen. Die einzelnen Dinge sollten zusammengehören. Man sollte das Gefühl bekommen, einen Blick in einen kleinen Teich zu werfen und darin immer wieder etwas Neues zu entdecken.


Nicht mehr nur eine einzelne Figur

Wenn ich heute an diese beiden Ausstellungen zurückdenke, merke ich, dass sie auch etwas über die Entwicklung meiner Arbeit erzählen. Mit der Zeit begann ich immer stärker darüber nachzudenken, was diese Figuren umgibt. Wo lebt dieses Wesen? Was wächst dort? Welche anderen Tiere könnten ihm begegnen? Plötzlich ging es nicht mehr nur um eine Figur, sondern um Zusammenhänge. Und damit entstanden ganz automatisch Geschichten. Ein Frosch sitzt nicht einfach irgendwo. Vielleicht sitzt er zwischen Schilf und Gräsern am Rand eines Teiches und beobachtet, was auf dem Wasser geschieht. Ein Erdbeerkind gehört zu Blättern, Blüten und Früchten. Aus einem Motiv wird eine Umgebung. Aus einer Umgebung eine kleine Welt. Und aus dieser Welt entsteht vielleicht schon die nächste Idee.



Ein Ort zum Schauen und Aussuchen

Und natürlich ist mein Verkaufsraum heute vor allem ein Ort, an dem man in Ruhe schauen und entdecken kann. Wer ein besonderes Geschenk sucht, kann bei mir vorbeikommen, sich Zeit nehmen und die Figuren aus der Nähe betrachten.

Vielleicht soll es etwas für einen lieben Menschen sein, ein kleines Dankeschön, ein Geschenk zu einem besonderen Anlass – oder einfach eine Überraschung, die Freude macht. Oft ist es schön, nicht schon vorher genau zu wissen, wonach man sucht. Man schaut sich um, entdeckt eine Figur und hat plötzlich genau den Menschen vor Augen, zu dem sie passen könnte.

Und manchmal darf man sich natürlich auch selbst eine Freude machen. Denn dafür braucht es eigentlich keinen besonderen Anlass.


Ein Raum, der sich immer wieder verändert

Genau das mag ich bis heute an meinem Verkaufsraum. Er ist kein Raum, der immer gleich aussieht. Mit den Figuren verändert sich auch seine Stimmung. Mal ziehen Blumen und kräftige Farben ein, mal Tiere und Waldwesen, mal wird es herbstlich und später weihnachtlich.

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